Roth 2015

Sensationeller Sieg des Willens

Was für ein Wochenende. Habe überlebt. Und das meine ich genauso. Danke Tomris und allen anderen für die mentale Hilfe.

 

Nachdem ich jetzt endlich mal alles ausgepackt, alles habe sacken lassen und wieder verstaut habe, meine persönliche "Geschicht" zu Roth. Die einmal mehr zeigt, dass a) letztendlich der Kopf nur wollen muss und b) die Helfer an und um das Event herum, einfach total entscheidend sind. Und tut mir leid. Da ist Roth einfach unschlagbar und die Helfer einfach der absolute "Burner", der absolute Knaller. Weil ohne die, hätte ich Sonntag gar net erst ins Wasser gekonnt. Dazu aber mehr.

 

Vorab. Für Roth war eine konsequente Vorbereitung, lange Läufe, lange Radausfahrten, einfach mal lange Einheiten machen, einfach nicht drin. So ist es halt manchmal im Leben. Aber trotzdem. Ich wollte in Roth starten, Roth erleben.

Freitagmittag bin ich mit der lieben Tomris ins wunderschöne Roth angereist und habe meine Startunterlagen abgeholt. Und hier war schon, die nicht zu beschreibende, einfach mal zu erlebende "Roth-Atmosphäre" zu spüren.

 

Nach einem Schlendern übers Expo-Gelände und der Einnahme eines kleinen Snacks, ab ins Hotel nach Erlangen. Die Startbeutel fürs Abgeben am Samstag soweit vorbereiten.

Samstag Morgen habe ich nach dem Frühstück im Hotel, mein Rad präpariert und die Laufschuhe für Sonntag auch noch kurz angetestet. Passt alles soweit. 11Uhr30. Nur noch jetzt kurz das Rad ins Auto, und hepp, da war es passiert. Ja was war passiert? Man nennt sowas unglücklich verdreht.

Nur noch schnell aufs Zimmer und die BWS Blockade selbst versuchen zu lösen. Bin ja vom Fach, sollte ja wissen wie das geht. Aber nix zu machen. Die Muskeln hatten mittlerweile so hart angezogen, dass ich nur noch auf allen Vieren durchs Zimmer rumkriechen konnte. Luft holen war gar nicht mehr möglich. Ich sah vor lauter Schmerzen nur noch Sternchen. War jetzt die Challenge Roth für mich hier schon vorbei?

 

Ne. "Nicht in Problemen sondern in Lösungen denken." Was tun? Ich hatte im Programmheft gelesen, dass es ein Notfall-Physioteam auf dem Expo Gelände gab. Also mit Tomris Hilfe und der Blackroll als Rückenstütze ab nach Roth. Jedes kleinste Schlagloch war ein Spaß.

Erstmal kurz beim Stand von SRS Halt gemacht. Erste Erleichterung dort schon mal geholt. Aber weg war es noch nicht ganz. Nach über 10 Jahren Triathlon. Ich kenne meinen Körper genau. Es hakte immer noch auf Höhe der BWS. Frei Luft holen ist halt anders.

 

Erstmal zur Anmeldung. Wo ist der Notfall-Physio? Im Krankenhaus!? Ne Krankenhaus wollte ich aber nicht. Also fiel mir das Physio-Team auf der Expo ein. Und ja. Dort gab es die Möglichkeit der manuellen Therapie. Nur hier war Schlange stehen angesagt. Nochmal eine Stunde warten. Mittlerweile war es schon 15Uhr30. 16Uhr war mein Date mit Frank. Weil soviel los war, wurde es dann 16Uhr15. Fast 5 Stunden mit etwas wenig Luft auskommen müssen. Ideale Vorbereitung sieht doch anders aus.

Und Frank gab bei einer Mörderhitze am Samstag echt alles und nach 30Minuten Behandlung endlich das erlösende Geräusch.


"Knack" hat´s gemacht. Gott sei Dank. Danke Frank. Du hast mir den Sonntag gerettet.
Ich bekam endlich wieder Luft. Schmerzfrei war ich nicht, die Muskulatur auf Höhe der BWS musste halt 5 Stunden eine Höchstleistung vollbringen, man merkt sowas halt doch noch sehr lange.

Aber ich hatte ja jetzt noch Zeit. Weil bis 18Uhr musste man ja erst alles abgegeben haben. Das Rad mit Helm war im Auto, den Chip für´s Einchecken hatte ich auch am Fuß. Fehlte was? Nö, alles da.
Und wir Fuhren nach Hipoltstein rein, und da sah ich die ganzen blauen Beutel und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. DANIEL du EIMER, du hast den Laufbeutel in Erlangen im Hotel liegen lassen. Vor lauter Schmerzen und Sternchen. SCHEISSE.

 

Tomris oben stehen lassen, mit dem Rad runter zur Wechselzone 1 gesaust und musste mich leider vordrängeln. Sorry for this. Danke für das Verständnis der anderen Sportler und Offiziellen, die mich schnell durchgewunken haben.

Und im Sauseschritt wieder hoch zum Auto, die Zeit läuft. 18Uhr hat der blaue Beutel da zu sein. Erlangen hin und zurück, eigentlich UNMÖGLICH.
Tomris am Steuer, und ich in völliger Verzweiflung daneben. Das packen wir nie pünktlich. Und dann wurde es auch noch stauig auf der lieben Autobahn. Oh nein. Bitte nicht. Jetzt ist guter Rat teuer, oder manchmal hilft auch einfach Kommissar Zufall.

Durch einen dummen Zufall hatte ich von FW ein paar Tage zuvor die Telefonnummer des Wettkampfleiters (Jochen hieß der nette Mann) der Wechselzone 2 bekommen. Wer nicht wagt der nicht gewinnt. ANRUFEN.

 

"Ja klar. KEIN PROBLEM. Bring den Beutel einfach direkt zur Wechselzone 2. Lass dir Zeit." Liebe Leute, das ist in meinen Augen nicht selbstverständlich. Normal ist, hast du den Beutel nicht am angesagten Punkt zum vorgeschriebenen Zeitpunkt abgegeben, tja, dann hast du leider gelitten. Das ist NORMAL.

ABER ROTH IST NICHT NORMAL.

 

SANKE SRS. DANKE FRANK.DANKE JOCHEN. DANKE FW. DANKE der NETTEN DAME, die den Beutel entgegen genommen hat.

 

Also man sieht. Meine Challenge hatte Samstag schon begonnen, und das Team der Challenge hatte im Sinne des Athleten helfen können.

Aber auch am Sonntag, vor dem Start. Ich stand mit meinem Neo im Vorstartbereich und ich bekam den Neo nicht direkt alleine zu. Da kam eine helfende Hand durch das Gitter der Wechselzone 1 und zog den Reissverschluss zu. Die Dame hatte gesehen, ich brauch Hilfe und ohne das ich nur was gesagt habe, Schupp di Wupp war die helfende Hand da. So was nennt man Begeisterung schaffen.

 

Und Sonntag der Renntag ist kurz zusammengefasst. 1h5min geschwommen. Wirklich easy geschwommen.

Oli Spitzhorn´s Spruch nach dem Schwimmausstieg:"Habe Spaß. Mach dir einen schönen Tag auf dem Rad Daniel".

 

Erste Radrunde super gefühlt, Solarer Berg der Knaller. Zweite Radrunde ein ganz klein bisschen Wind  und hier schon Tausend Tode gestorben. Mitten im Anstieg Solarer Berg zweite Radrunde auch noch meine Gelflasche verloren. Insider wissen was das heißt. SUPER heißt das.

Tomris baute mich auf der zweiten Radrunde am Solarer Berg noch einmal auf. "Du schaffst das" und sammelte auch noch die Flasche für mich ein. Echt ein Engel.
Ich komme nach elenden langen 5h50 Minuten Rad zur Wechselzone 2. Steige vom Rad ab, äh ja, jetzt noch laufen? Ging gar nicht. Ich konnte die Füße gar nicht mehr heben.

 

Also erstmal kurz eine Pause machen. Auch hier. Die Helfer haben sich sehr fürsorglich um mich gekümmert. Schuhe hingestellt, mich eingecremt. Das Rund-um-Wohlfühl-Paket. Ich hoffe der Mann der Helferin (ich glaube der ist M75 gestartet) hat das Ziel auch erreicht.

 

Auf der Laufrunde. Wenn ich da alles so getroffen habe. Den Martin Hansel, den Roy Stühn, die ganzen Verrückten der RSG Montabaur und dann endlich bei Laufkilometer 25 die Tomris. Ich war froh alle die Bekannten zu sehen, denn ich war einfach nur noch im Eimer. Aber die größe Freude war Tomris.

Mein Körper sagte "Stopp", mein Kopf sagte "Weiter". Also weiter. Ab km 15 war halt sehr viel Wandern dabei. Jede Verpflegungssation wurde genoßen und der Plausch mit dem kleinen Jungen war einfach nur bezeichnend. "Warum macht ihr das? Warum schüttet ihr euch das Wasser über den Kopf und trinkt das nicht? Ist das anstrengend? Macht das Spaß? Warum gucken soviele hier so komisch? Warum laufen die alle so komisch?" Hammer der Junge. Kinderfragen sind doch irgendwie voll ehrlich 

 

Ab zum Wendepunkt zum Frank Horras, zum Don Indi. Ein Motivator vor dem Herrn. Noch kurz die Massagebank auf dem Rückweg mitgenommen und dann quasi vollkommen beflügelt mal so 5km schmerzfrei zu laufen, das ist nicht schlecht. Sag ich euch. Auch hier. Tomris hat mich immer wieder aufgebaut. Es geht nach Hause. Es geht zum Ziel. Km 39. Oli Spitzhorn lacht mich an. Über den Marktplatz Roth. km 41. Oli Spitzhorn heute schon zum dritten Male.

 

km 41,5. Den Kuss von Tomris abgeholt und jetzt ab ins Stadion. Einfach nur genießen. Heiko Spitzhorn ist auch da. Habe ihn leider am Damm in Eckersmühlen verpasst. Aber der alte Haudegen ist nach seinem schweren Unfall in Hachenburg da. Tränen schießen hoch. 12h16 Kampf sind vorbei.

Danke einfach an Alle. Ich habe fertig.

 

P.S. Bei Frank dem Physio habe ich mich schon bedankt, der war nämlich nach dem Zieleinlauf direkt nebenan schon wieder beschäftigt. Der konnte es einfach nicht lassen. ;-D Und mein Muskelkater hält sich echt in Grenzen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0